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Außerirdisches Leben
Arsen und Marsmännchen
Die Nasa kündigt eine Pressekonferenz an, die unseren Blick auf außerirdisches Leben verändern soll. Und alle Welt spekuliert wild über Aliens. Aber die halten sich weiterhin verborgen.
Von Günter Paul
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Dass Außerirdische schon auf der Erde gelandet sind, gilt weiterhin als Produkt der Phantasie einiger Zeitgenossen. Aber der Gehirne einiger Schreiber könnten sie sich durchaus schon bemächtigt haben. Jüngstes Beispiel ist der Wirbel, der in den vergangenen Tagen um ein interessantes biologisches Forschungsergebnis gemacht worden ist. Angestoßen wurde die Unruhe von der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa, die - wie so oft in derartigen Fällen außerordentlich mysteriös - eine Pressekonferenz angekündigt hat. Am Mittwochabend unserer Zeit werde sie eine „Entdeckung auf dem Gebiet der Astrobiologie“ vorstellen, die „Auswirkungen auf die Suche nach Beweisen für außerirdisches Leben haben wird“.
Tatsächlich handelt es sich um eine für die Biochemiker interessante Entdeckung, die in einem irdischen Labor mit einem Bakterienstamm (GFAJ-1) aus dem Mono Lake in Kalifornien gemacht worden ist. Irdisches Leben beruht auf sechs chemischen Elementen: Sauerstoff, Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff, Phosphor und Schwefel. Vor einiger Zeit hatte Paul Davies von der Arizona State University darüber spekuliert, dass Leben auf der Erde oder anderswo im Weltraum vielleicht auch mit dem giftigen Arsen statt mit Phosphor möglich wäre. Die beiden Elemente stehen auf der chemischen Periodentafel der Elemente übereinander. Einer Forschergruppe ist dieser Austausch von Phosphor und Arsen nun gelungen, was in der Erbsubstanz nachzuweisen war, wie sie in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift „Science“ berichtet hat. Was die Breite der Suche nach außerirdischem Leben beeinflussen könnte - nicht mehr und nicht weniger. Das ist für die Nasa der Anlass für die Pressekonferenz gewesen.
Im Internet waren schon bald Hinweise zu finden, die diesen Zusammenhang mit der Pressekonferenz verdeutlichten und erste wilde Spekulationen über die mögliche Entdeckung außerirdischen Lebens in den Bereich der Phantasie verdrängten. Insbesondere ein Blog aus Amerika (von Jason Kottke) war manchem aufs Gemüt gegangen. Kottke hatte im Team der geplanten Pressekonferenz unter anderem Pamela Conrad ausgemacht, die im vergangenen Jahr eine Arbeit über Geologie und Leben auf dem Mars veröffentlicht hat, und Steven Benner, Mitglied einer Gruppe des Jet Propulsion Laboratory, die die Verhältnisse in der Umgebung des Planeten Titan mit jenen in der Umgebung der frühen Erde vergleicht. Und gleich war von der möglichen Entdeckung von Arsen auf Titan die Rede und vielleicht sogar Hinweisen auf dortiges Leben, das Arsen zur Photosynthese nutzt. Der Übergang von „Auswirkungen auf die Suche nach außerirdischem Leben“ zu einer möglichen Entdeckung von Leben auf dem Titan scheint, berücksichtigt man die Fakten nicht, recht kurz zu sein. Zumindest, wenn man den übereilten Beiträgen im schnelllebigen Internet blind vertraut.